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Gespenstische Bäume in den Auwäldern

Weiße Netze in einer Astspitze. In den Netzen befinden sich einige Gespinstmotten.

Traubenkirschen-Gespinstmotte sorgt derzeit für ein Naturspektakel

Kempten/Immenstadt – Es sieht aus, als hätte jemand über Nacht silbrig-weiße Tücher über die Bäume gelegt. Wer derzeit durch die Auwälder entlang der Iller oder der Wertach spaziert, bleibt unweigerlich stehen. Äste, Stämme und Blätter sind eingesponnen. Manche Bäume wirken kahl, andere glänzen wie unter einem dünnen Schleier.

Was dramatisch aussieht, ist ein Naturphänomen. Verantwortlich dafür ist die Traubenkirschen-Gespinstmotte. Ihre Raupen schlüpfen im Frühjahr, wenn die Traubenkirsche frische Blätter bildet. „Das sieht im ersten Moment oft erschreckend aus, ist für die Traubenkirsche aber meist kein Problem“, erklärt Julia Billner, Försterin am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Kempten.

Die jungen Raupen finden reichlich Nahrung und fressen sich von Blatt zu Blatt. Dabei spinnen sie feine Fäden, die zunächst einzelne Zweige und später ganze Bäume überziehen. Besonders auffällig sind die Raupen selbst: Sie sind gelblich, schwarz gepunktet und oft in großer Zahl unterwegs.

An geschützten Stellen sammeln sich Hunderte Tiere dicht gedrängt in ihren Gespinsten. Im Juli schlüpfen daraus die fertigen Falter. Dann sitzen sie teils zu Hunderten an den noch weiß überzogenen Stämmen oder in der Vegetation am Boden.

Für Spaziergänger wirkt das schnell beunruhigend. Ist der Baum krank? Stirbt er ab? „Wer die eingesponnenen Bäume sieht, vermutet oft einen schweren Schaden. In den allermeisten Fällen treiben die betroffenen Traubenkirschen jedoch schon nach kurzer Zeit wieder aus“, sagt Simon Östreicher, Bereichsleiter Forsten am AELF Kempten. Dauerhafte Schäden entstehen nur selten.

Die Natur hat sich auf dieses Wechselspiel eingestellt. Zwar bleibt in stark befallenen Jahren oft die Fruchtbildung aus, doch selbst mehrfach betroffene Bäume überstehen den Befall meist gut. Bekämpfungsmaßnahmen sind deshalb nicht erforderlich.

Der silbrige Schleier über den Auwäldern ist damit kein Grund zur Sorge, sondern vor allem ein auffälliges, ein wenig unheimliches und faszinierendes Schauspiel der Natur.